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Die zwölf Grundregeln des Obstbaues

ein Säulenapfel I.
Hast Du einen leeren Raum,
Pflanze dorten einen Baum.
Ein Kapital ist er fürwahr,
bringt Zinsen Dir fast Jahr um Jahr.

II.
Mach gute Auswahl Dir zur Pflicht,
drum setze einen Krüppel nicht.
Der Stamm sei schön, von gutem Wuchs,
nach unten stark, gesund wie „Buchs“
und Wurzel, Krohn in gutem Stande.
Die Bäume kauf im eignen Lande,
dann pflanze viel von einer Art
und nicht eine ganze Musterkart.

III.
Mach Deine Pflanzung nicht zu enge,
nicht liegt der Nutzen in der Menge.
Gönn dem Bäumchen Licht und Raum,
sonst wird es nie ein schöner Baum.
Denkst Du an die Folgezeit,
setze sie 10 Meter weit,
dazu schön auch im „Verband“,
solches zeuget von Verstand.

IV.
Die Grube mache metertief,
den Stamm darin nicht halte schief.
Die Rasenstücke kommen unten,
den Stamm nicht allzu fest gebunden;
denn weil die Erde ausgehoben,
so senket er sich mit dem Boden
und dass ihm nicht zu trocken werde,
mach schüsselförmig rings die Erde.

V.
Weil die Wurzel sehr gelitten,
werde auch die Krohn geschnitten.
Einen Drittel von den Zweigen
darfst Du immerhin wegschneiden,
doch den Leitzweig in der Mitte
kürze nicht zu sehr, ich bitte.
Nach sechs Jahren solcher Zucht:
Schöner Baum und bald auch Frucht.

VI.
Alte Bäume lasse putzen,
sonst geht Dir zurück ihr Nutzen.
Misteln, Moos und welke Äste,
rasch entfernt, das ist das Beste.
Ist das Astwerk gar zu dicht,
so verschaff' dem Baume Licht.
Doch wenn er soll gut gelingen,
halte Maß in diesen Dingen.

VII.
Jedes Spätjahr streiche dann
die Bäume auch mit Kalkmilch an.
Das macht eine glatte Rinde,
Ungeziefer tilgts geschwinde.

VIII.
Soll der Baum viel Frucht Dir geben,
musst mit Dünger ihn beleben.
Du musst aber wohl bedenken,
dass sich Wurzeln tief einsenken,
und so weit im Boden gehen,
als die Äst vom Stamm abstehen.
Drum weit vom Stamm und tief gedüngt,
soll er werden neu verjüngt.

IX.
Bleibt ein Baum ganz undankbar
und steht leer da Jahr um Jahr,
ist jedoch gesund und schön,
lass ihn dennoch fortbestehen.
Hau ihn nicht im Zorne um,
sondern pfropfe Dir ihn um.
Ist der Baum jedoch zu groß,
nimm per Jahr ein Drittel bloß.

X.
Hast Du einen alten Baum,
der hervorbringt Früchte kaum,
doch von wohlbewährter Sorte,
lass ihn stehn an seinem Orte.
Doch die langen Äste stutze,
krumme sterbende wegputze.
So verjüngt wird Kraft ihm bleiben,
dass er noch mag Früchte treiben.

XI.
Hab ein Aug auf Deine Bäume,
siehst was Krankes, so versäume nicht,
die Ursach zu erfahren,
dich vor Schaden zu bewahren.
Kranke Stellen schneid mit Fleiß,
bis die Wunde frisch und weiß.
Mach auch Längsschnitt ins Gesunde,
wohlverstrichen dann die Wunde.

XII.
Folgst Du, Freund, nun diesen Winken,
so wird Segen viel Dir blinken,
wird der Bäume Wert sich zeigen,
wenn sie früchteschwer sich neigen.
Dich erfreun mit süßer Kost,
laben auch mit süßem Most.
Dir bringts großen Nutzen ein,
andern wirst Du Vorbild sein.

Der Fruchtgarten
Illustrierte Zeitschrift für Obstbau, Sortenkunde und Obstbenutzung
Nr. 4, vom 1. März 1886, Seite 44
von einer unbekannten Dichterseele

kleine Hinweise

infos/fragen/grundregeln.txt · Zuletzt geändert: 2017/10/18 21:56 von apfelmann